WHB diskutierte beim Westfalentag 2019 in Hattingen über Perspektiven für junges Engagement

Im Anschluss an die Mitgliederversammlung des Dachverbandes für rund 565 Heimatvereine und 700 ehrenamtliche Heimatpfleger eröffnete der Vorsitzende des Westfälischen Heimatbundes, Matthias Löb, den Westfalentag. „Es lohnt jede Anstrengung, Kindern und Jugendlichen das Wissen um die Schönheit und Vielfalt der Natur zu vermitteln, ihnen historische Traditionen weiterzugeben und ihnen den Blick für die Besonderheiten historischer Gebäude zu schärfen“, so Löb in seiner Begrüßungsrede. „Es ist die zentrale Aufgabe für uns als Dachverband und die lokalen Heimatakteure.“ Es gebe Mut machende Beispiele, wie sowohl das aktuelle Engagement junger Menschen gegen den Klimawandel als auch Projekte aus der Arbeit der Heimatvereine zeigten.

Erfolgreiche Beispiele aus der lokalen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen vermittelte dann auch ein als Gastgeschenk zum diesjährigen Westfalentag produzierter Film. Dieser ist Teil der WHB-Filmreihe „Heimat-Puls“ und präsentierte vier exemplarisch ausgewählte Konzepte – von der Sommeraktion Stadtsteine des Heimatvereins Hattingen/Ruhr e. V. über das junge, dem Hagener Heimatbund e. V. angegliederte Stadtteilmagazin „089magazin wehringhausen“ bis hin zum Nistkastenbau beim Heimatverein Wulfen 1922 e. V. und zur Beteiligung des Stadtverbandes für Heimatpflege in Lünen e. V. am Projekt Kulturstrolche.

Nach dem Grußwort des Hattinger Bürgermeisters Dirk Glaser folgte die Verleihung von „Rolle vorwärts“ – dem Preis des Westfälischen Heimatbundes für frische Ideen – als ein besonderer Höhepunkt des Tages. Mit dieser zum mittlerweile dritten Mal verliehenen Auszeichnung prämiert das Kuratorium des WHB seit 2015 besonders vorbildliches ehrenamtliches Engagement von Heimatakteurinnen und -akteuren in Westfalen. Zum einen wird ein impulsgebendes Projekt für die Heimatarbeit in Westfalen gewürdigt. Zum anderen wird ein Nachwuchspreis an ein außergewöhnlich engagiertes Projekt von, für oder mit jungen Menschen vergeben. Dotiert ist der Preis mit jeweils 4.000 Euro. Die Auszeichnungen werden durch die Kulturstiftung der Westfälischen Provinzial Versicherung sowie die Sparkassen in Westfalen-Lippe gestiftet. In 2019 sind über 50 Bewerbungen eingegangen.

Der Vorstandsvorsitzende der Provinzial NordWest Holding Dr. Wolfgang Breuer zeichnete in der Kategorie Innovation den Heimatverein Ottenhausen e. V. mit seinem Natur- und Umweltschutzprojekt „Vollendung des Biotopverbundsystems Multhöpen / Sassenbrink / Brede“ aus. Der im Kreis Höxter ansässige Heimatverein setzt sich für den Erhalt von insgesamt 40 ha Natur- und Kulturlandschaft ein. Das gestiftete Preisgeld soll in einen zu schaffenden Pflege- und Entwicklungsfonds zur dauerhaften Unterhaltung der Naturschutzflächen einfließen. Mit seinem aktiven und auf Beständigkeit angelegten Engagement für Landschaft und Naturschutz habe der Verein Ottenhausen Vorbildcharakter. Dieses Projekt, bei welchem ein Stück Heimat langfristig erhalten und gestaltet werde, könne anderen Initiativen, Dörfern und Regionen wertvolle Impulse für die eigene ökologische Arbeit geben.

Für die Sparkassen in Westfalen-Lippe übergab der Generalbevollmächtigte der Sparkasse Westmünsterland, Wolfgang Niehues, in der Kategorie Nachwuchs den Preis an den Heimatverein Burlo-Borkenwirthe e. V. aus dem Kreis Borken. Ausgezeichnet wurde das Film-Projekt „Heimat 2 Punkt Null“ (Verlinkung zu Youtube). 19 Jungen und Mädchen im Alter von 11 bis 14 Jahren haben auf Initiative des Heimatvereins eine Video-Reportage über ihre Heimat gedreht. Die ursprüngliche Idee, Kinder und Jugendliche durch neue Medien für die Arbeit im Heimatverein zu begeistern und Aufmerksamkeit für ihr Lebensumfeld zu wecken, ist in diesem durchaus auch übertragbaren Projekt gelungen. Die Kinder haben sich über mehrere Monate mit Herausforderungen und Chancen ihrer Heimatregion und aktuellen gesellschaftlichen Debatten beschäftigt.

In seinem Festvortrag ging Prof. Dr. Ulrich Deinet von der Hochschule Düsseldorf auf Lebenswelten Jugendlicher heute ein. Sein Fazit: Um junge Menschen zu erreichen, gelte es Nahräume zu stärken und Räume für wirkliche Partizipation zu schaffen, damit junge Menschen ihre Umgebung als Heimat wahrnehmen können. Der öffentliche Raum müsse als Aneignungs- und Bildungsraum wiederbelebt werden.

Ausgehend von diesem Impuls bot die sich anschließende Gesprächsrunde unter Leitung von WHB-Geschäftsführerin Dr. Silke Eilers Anregungen für Umsetzungsmöglichkeiten in der Praxis. Max Pilger, hauptamtlicher Landesvorsitzender des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend Nordrhein-Westfalen, plädierte dafür, Beteiligungs- und Freiräume für Kinder und Jugendliche zu schaffen. Dafür sollten diesen auch Entscheidungskompetenzen eingeräumt werden. Auch Elisabeth Heeke von der Servicestelle für Kinder- und Jugendbeteiligung NRW beim LWL-Landesjugendamt sah Mitbestimmung und Mitentscheidung als wesentlichen Schlüssel für die Gewinnung junger Menschen an. Die Servicestelle regt demokratische Prozesse der Teilhabe von Kindern und Jugendlichen in den Kommunen an, begleitet und unterstützt diese. Kinder- und Jugendparlamente sind dafür ebenso Beispiele wie auch das Projekt „Provinzhelden“ im Kreis Steinfurt, wo Jugendliche Verantwortung für die Belange von jungen Menschen auf Gemeindeebene übernehmen und auch andere Jugendliche zu gesellschaftlichem Engagement motivieren. Vorsitzender Lars Friedrich ging auf altersgruppenspezifische Angebote des Heimatvereins Hattingen/Ruhr e. V. ein und stellte u. a. die kreisweiten themenbezogenen Schreibwettbewerbe mit Schülerinnen und Schülern als ein Erfolgsmodell vor. Vanessa Burneleit vom NABU Natur- und Jugendzentrum Voßgättters Mühle e. V. in Essen erläuterte ein NABU-Programm, das Menschen in der nachberuflichen Phase die Durchführung von Natur- und Umweltbildung in Kitas eröffnet.

Den vertiefenden Workshop am Nachmittag nutzten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer intensiv, um gemeinsam über die in der Gesprächsrunde gehörten Ansätze zu sprechen. Dabei wurde die zugrundeliegende Zielsetzung der Kinder- und Jugendarbeit in Heimatvereinen und dörflichen Strukturen diskutiert. Der von den Referentinnen der WHB-Geschäftsstelle gestaltete Workshop bot Raum für den Austausch von Erfahrungen in der Projektarbeit. Die Gruppe erarbeitete schließlich gemeinsam Lösungswege und Konzeptvorschläge für die praktische Heimatarbeit.

Ein umfangreiches Exkursionsprogramm bot bei schönstem Wetter Angebote am Veranstaltungsort und in der Umgebung, darunter Führungen durch die Hattinger Altstadt, einen Besuch der Ruine Isenburg und eine Wanderung in der Elfringhauser Schweiz.

Die jungen Gäste des Westfalentages konnten unter anderem von einem Profi das Handwerkszeug für das Fotografieren und Filmen mit dem Smartphone erlernen oder sich kreativ bei der Metallverarbeitung betätigen.