Fritz Bauer Forum – Trauerhalle Ost Bochum
Anke Kuhrmann, Knut Stegmann, Saskia Schöfer
Mit der 133. Ausgabe der Westfälischen Kunststätten rückt ein Bauwerk in den Fokus, das exemplarisch für die Architekturauffassungen der späten Nachkriegsmoderne steht: die Trauerhalle Ost auf dem Bochumer Zentralfriedhof – das heutige Fritz Bauer Forum. Mitte der 1970er-Jahre als baulicher Höhepunkt der östlichen Friedhofserweiterung entstanden, bildete der kompakte Solitär gemeinsam mit weiteren Funktionsbauten ein ursprünglich dreiteiliges Ensemble. Entworfen wurde die Anlage vom damaligen Bochumer Stadtbaurat Ferdinand Keilmann, die Ausführung übernahm nach dessen Pensionierung der Essener Architekt Hans-Rolf Dönges.
Anke Kuhrmann und Knut Stegmann stellen die Trauerhalle in ihren bauhistorischen Kontext und verknüpfen diesen mit der Entstehung von Sichtbetonbauten und ihrer heutigen Neubewertung. Architektonisch verbindet der Bau die wesentlichen Gestaltungselemente der markanten Betonkrone mit den bunten Bleiverglasungen des Glaskünstlers Egon Becker. In Formensprache und Materialität setzt die Halle damit einen bewussten Kontrast zur älteren Bebauung des Zentralfriedhofs, der im Rahmen nationalsozialistischer Stadtplanung als monumentale Anlage entstand.
Saskia Schöfer erläutert die Gründe für den Funktionsverlust der Trauerhalle in den 2000er-Jahren und beschreibt insbesondere die denkmalpflegerischen Herausforderungen bei der Instandsetzung der Sichtbetonoberflächen bis zu ihrer Neueröffnung im Jahr 2025. Seit ihrer Umnutzung dient die Trauerhalle Ost heute als Stiftungsbibliothek und Veranstaltungsort der BUXUS STIFTUNG gGmbH | Fritz Bauer Forum. Die Stiftung setzt sich in Erinnerung an Fritz Bauer – der als Generalstaatsanwalt im Nachkriegsdeutschland maßgeblich die NS-Verbrechen vor Gericht gebracht hat – für Menschenrechte, Demokratie und soziale Gerechtigkeit ein. Die weitgehend original erhaltene Materialität des Bauwerks verbindet historische Aussagekraft mit zeitgemäßer Nutzung. Das Heft beleuchtet Baugeschichte, architektonische Qualität, Rezeptionswandel und Transformation der Trauerhalle Ost als bedeutendes Zeugnis westfälischer Architektur der 1970er-Jahre.