Zusammenhalt braucht Begegnung – 69. Westfalentag in Hamm setzt Impulse für starke Orte
25.06.2026
Mehr als Gebäude: Orte der Gemeinschaft sind dort, wo Menschen sich begegnen, engagieren und Verantwortung füreinander übernehmen. Welche Bedeutung solche Orte für das gesellschaftliche Miteinander haben und wie sie zukunftsfähig gestaltet werden können, stand im Mittelpunkt des 69. Westfalentages des Westfälischen Heimatbundes (WHB) am 20. Juni 2026 im Maximilianpark Hamm. Rund 350 Aktive aus Vereinen, Initiativen, Politik, Verwaltung und Kultur hatten sich zu der Veranstaltung angemeldet, um Erfahrungen auszutauschen, neue Impulse mitzunehmen und ihr Netzwerk zu erweitern.
Dr. Georg Lunemann, Vorsitzender des Westfälischen Heimatbundes und Landesdirektor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), eröffnete den Westfalentag mit einem klaren Plädoyer: "Eine Gesellschaft benötigt mehr als technische Infrastruktur. Sie braucht auch kulturelle und soziale Ankerpunkte. Deshalb gehören Begegnungsorte ebenso zur Daseinsvorsorge wie Schulen, Nahverkehr oder medizinische Versorgung. Wer diese Orte stärkt, investiert in Gemeinsinn und damit in den Fortbestand unserer Demokratie."
In seiner Festrede setzte sich Nathanael Liminski, Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, Internationales sowie Medien des Landes Nordrhein-Westfalen und Chef der Staatskanzlei, mit den Chancen und Herausforderungen der digitalen Transformation auseinander. Er betonte, dass gerade in einer zunehmend digitalisierten Welt Räume des freiwilligen Engagements an Bedeutung gewinnen: "Das Ehrenamt ist der Gegenentwurf zu einer Gesellschaft, in der wir einander nur noch als Profile und Follower begegnen. Hier entsteht die Erfahrung, dass man trotz unterschiedlicher Ansichten gemeinsam etwas erreichen kann."
Monika Simshäuser, Bürgermeisterin der Stadt Hamm, begrüßte die Gäste im Jubiläumsjahr der Stadt und warf einen Blick auf 800 Jahre Stadtgeschichte. Hamm sei eine Stadt, die immer wieder Wandel erlebt habe. Mehrfach durch Brände zerstört und stets wiederaufgebaut, habe die Stadt gelernt, Wandel als Gestaltungsaufgabe zu begreifen.
In zwei von WHB-Geschäftsführerin Dr. Silke Eilers moderierten Gesprächsrunden wurde das Schwerpunktthema vertieft. Unter dem Leitthema "Welche Orte können wir uns als Gesellschaft leisten aufzugeben?" diskutierten zunächst Vertreterinnen und Vertreter aus Projektberatung, Soziokultur und Verwaltung über die Zukunft von Begegnungsorten. Im Fokus standen steigende Kosten, knappe öffentliche Mittel und die Frage, wie Heimatakteure, soziokulturelle Zentren und andere Dritte Orte künftig stärker gemeinsam gedacht werden können.
Die zweite Gesprächsrunde widmete sich erfolgreichen Beispielen aus der Praxis. Mit dem Dormitorium in Asbeck, der Schäferkämper Wassermühle in Bad Westernkotten und dem Gebäude-Ensemble des Heimatvereins Altenberge wurden drei Projekte von Mitgliedsvereinen des WHB vorgestellt, die eindrucksvoll zeigen, wie aus bürgerschaftlichem Engagement lebendige Orte der Gemeinschaft entstehen. Deutlich wurde, dass ihre Entwicklung Zeit, Mut und viel Herzblut erfordert - ebenso aber verlässliche Partner wie die Nordrhein-Westfalen-Stiftung, die seit 40 Jahren Vereine und Initiativen bei Erhalt und Realisierung von Heimatorten unterstützt.
Mit der Initiative "Junges Ehrenamt für NRW" des Netzwerks bürgerschaftliches Engagement NRW (NBE NRW) und WestLotto richtete sich der Blick auf die Stimmen junger Engagierter. Vorgestellt wurde von Iveen Sulaiman der Aufbau eines landesweiten Netzwerks, in dem junge Menschen eigene Vorstellungen für das Ehrenamt von morgen entwerfen und damit Vereinen und Organisationen wichtige Anregungen geben, wie Ehrenamt zeitgemäß weitergedacht werden kann.
Musikalisch begleitet wurde der Westfalentag von Kerem Yelken und Fiona Schulz von der Städtischen Musikschule Hamm. Der Markt der Ideen, Exkursionen und Workshops boten zahlreiche Möglichkeiten zum Austausch und zur Vernetzung. Deutlich wurde dabei auch: Wer starke Orte will, muss die Menschen und Organisationen stärken, die sie mit ihrem Engagement tragen.