Stationen des Max-Clemens-Kanal-Wanderweges

 

Station 1: Ecke Kanalstraße/Zeppelinstraße in der Nähe des früheren Stadthafens des Max-Clemens-Kanals

Station 2: Abzweigung der Kanalstraße zur Wienburg

Station 3: Kirche St. Josef in Kinderhaus

Station 4: Heimathof des Heimatvereins Sandrup-Sprakel-Coerde e.V.

Station 5: Gaststätte „Hölt`ne Schluse“

Station 6: Greven II - Steinerne Schleuse

Station 7: Greven I - Reckenfeld

Station 8: Emsdetten II - Lintels Kotten

Station 9: Emsdetten I - De hauge Brügge

Station 10: Clemenshafen

Station 11: Neuenkirchen - Auf alten Treidelpfaden

Station 12: Maxhafen

Maximilian Friedrich, Reichsgraf von Königsegg-Rot(h)enfels (* 1708 in Köln; † 1784 in Bonn) war von 1761 bis 1784 Erzbischof von Köln und Fürstbischof von Münster, Gemälde von Johann Heinrich Fischer um 1762, Schloss Augustusburg (Ausschnitt)

Allgemeine Informationen zum Max-Clemens-Kanal

Zur Geschichte des Kanals

Der Max-Clemens-Kanal ist ein im 18. Jahrhundert erbauter Wasserweg, der ursprünglich Münster und Zwolle in den Niederlanden miteinander verbinden sollte. Der erste Spatenstich erfolgte am 9. Mai 1724 in der Kleyheide bei Münster-Kinderhaus durch den Fürstbischof von Münster, Clemens August I. von Bayern. Unter der Leitung des friesischen Wasserbauingenieurs Georg Michael Meetsma entstand ein etwa 30 km langes Teilstück des Kanals vom Neubrückentor in Münster bis zum Frischhofsbach in Neuenkirchen. Hier, am vorläufigen Endpunkt des Kanals, entstand Clemenshafen. Zeitweise arbeiteten 1500 Menschen an dem Bauwerk, das 1731 in Betrieb genommen wurde. Bereits wenige Jahre später traten erste Probleme auf: Das Wasser versickerte, ständig herrschte Wassermangel, der Kanal versandete, die Dämme brachen.

 

Dennoch wurde unter dem Nachfolger von Clemens August, Fürstbischof Maximilian Friedrich von Königsegg-Rothenfels, von 1766 bis 1771 ein weiteres sechs Kilometer langes Teilstück bis Maxhafen zwischen Wettringen und Neuenkirchen gebaut.

Clemens August Ferdinand Maria Hyazinth, Herzog von Bayern (* 1700 in Brüssel; † 1761 in Koblenz) war seit 1719 Fürstbischof von Münster, seit 1723 auch Erzbischof von Köln sowie Fürstbischof von Paderborn, Regensburg, Osnabrück und Hildesheim, Gemälde von Georges Desmarées um 1746, Schloss Augustusburg (Ausschnitt)

Der Kanal war zwischen Münster und Clemenshafen rund 12 bis 18 Meter breit und ein bis drei Meter tief. Zwischen Clemenshafen und Maxhafen war der Kanal dagegen nicht mehr als sechs Meter breit.

Die Treckschuten genannten Lastkähne, die auf dem Kanal verkehrten, hatten üblicherweise eine Breite von drei und eine Länge von 16,5 Metern bei einer Tragkraft von zehn Tonnen. Sie wurden von einem Pferd „getreidelt“, d.h. gezogen. Zwischenzeitlich waren auch kleinere Treckschuten im Einsatz. Zusätzlich fuhr zwischen 1733 und 1812 zweimal wöchentlich ein Postschiff, das sowohl Post als auch Personen beförderte. Eine Fahrt zwischen den beiden Endhäfen Münster und Maxhafen dauerte fast einen Tag.

 

Obwohl der Kanal ein Torso blieb und nie an das niederländische Wasserstraßennetz angeschlossen wurde, stellte er für Münster gut ein Jahrhundert lang einen wichtigen Verkehrs- und Handelsweg dar. Dies lag außer an den schlechten Straßenverhältnissen auch daran, dass die Münsterischen Kaufleute auf Anordnung des Fürstbischofs alle aus Holland und Ostfriesland kommenden Waren über den Kanal beziehen mussten. Das wurde an den Stadttoren kontrolliert. Nachdem Münster 1815 preußisch geworden war, verlor der Kanal seine Bedeutung. Obwohl die Münsterische Kaufmannschaft sich für einen Erhalt stark machte, wurde der Schiffsbetrieb am 10. Februar 1840 offiziell eingestellt.

Solange der Kanal noch regelmäßig genutzt wurde, trug er die Bezeichnung „Münsterscher Canal“. Erst später bürgerte sich der Name „Max-Clemens-Kanal“ ein.

Der Kanal ist heute verlandet. Die Rinne ist aber noch über weite Strecken in der Landschaft als Mulde erkennbar. In manchen Bereichen, besonders auf dem schmaleren Teilstück von Clemenshafen bis Maxhafen führt der Kanal auch noch Wasser. Er ist seit 1989 als Technisches Bodendenkmal unter Schutz gestellt.

 

 

Kanalverlauf

 

Der Plan des Wasserbauingenieurs Georg Michael Meetsma sah einen Kanalverlauf von Münster bis zur Einmündung in die Steinfurter Aa vor. Diese fließt in die Vechte, die ihrerseits in Zwolle in die Ijssel mündet. Diese wiederum fließt ins Ijsselmeer. Damit hätte es eine Verbindung zum Meer gegeben.

 

Deutlich erkennbar ist hier die geplante Einleitung der münsterischen Aa nordwestlich von Enckings Mühle in den Kanal. Das bei Hochwasser überflüssige Wasser  sollte durch einen Überfall aus dem Kanal in die Aa abgeführt werden. Wasser aus den südlich gelegenen Aawiesen sollte durch einen Durchlass unter dem Kanal ebenfalls wieder in die Aa fließen. Realisiert wurde die Aaeinleitung jedoch bereits vor dem Knick des Kanals hinter  Enckings Mühle

Auszug aus dem „Plan des Munsterlandschen Canaal“ von Meetsma aus dem Jahr 1724, signiert, Quelle: Landesarchiv NRW, Abteilung Westfalen W 051/Karten A Nr. 5066

 

Daten zum Kanal

Erbaut von Münster bis Clemenshafen: 1724–1729
erbaut von Clemenshafen bis Maxhafen: 1766–1771
Länge bis Clemenshafen: 30 km, bis Maxhafen: 36 km
Breite zwischen Münster u. Clemenshafen: 12–18 m
Breite zwischen Clemenshafen u. Maxhafen: 5,5–6 m
Tiefe: 1–3 m
Durchschnittlicher Schiffsbesatz: drei bis vier Schuten und ein Postschiff (ab 1733)
Nutzungsdauer: 1731–1840

Der Hafen am Neubrückentor in Münster, Kupferstich ca. 1835, mit Kanalschiff, Kran und Packhaus, im Hintergrund von links Zwinger, Martinikirche, Lambertikirche und Dom. Der Künstler nahm sich die Freiheit, das Schiff ohne Mast, dafür aber mit vier Rudern darzustellen. Quelle: Stadtarchiv Münster

Station 1: Der Kanalhafen am Neubrückentor in Münster

Ansicht und Lage des Hafens

Am Neubrückentor befand sich seit 1725 der Anfangs- bzw. Endpunkt des Max-Clemens-Kanals. Hier entstand ein Hafenbecken mit Packhaus, Krananlage und Winde zur Lagerung und Verladung der Waren. Der Kanalhafen befand sich an der heutigen Kanalstraße gegenüber dem Abzweig zur Straße Coerdeplatz. Das 1791 erbaute Packhaus lag zwischen den Häusern Kanalstraße Nr. 7 und 10.

Die Umschlagzahlen des Kanals zeigen, dass Münster in erster Linie ein Importhafen war, also wesentlich mehr Waren in die Stadt ein- als ausgeführt wurden. Besondere Bedeutung hatten Kanal und Hafen während des Siebenjährigen Krieges (1756-1763) und der französischen Revolutionskriege um 1800.

 

Lage und Einrichtungen des Hafens und seiner Umgebung nach Meetsma 1724, Quelle: Landesarchiv NRW, Abteilung Westfalen W 051/Karten A Nr. 4391, Ausrichtung nach Süden - Legende: A Der Kanal B Treppe, wo man aus dem Schiff auf den Wall gehen kann C Kran, um Kaufmanns Waren aus dem Schiff zu laden D Liegeplätze, wo die Wagen drehen und stehen können E Weg, der vom Kanal in die Stadt geht F Brücken über den Stadtgraben G Stadtgraben H Barrieren durch den Stadtgraben I die Aa K das Rondell des Zwingers L Gärten

Außer Öl, Salz, Heringen, Getreide und anderen Nahrungsmitteln gelangten über den Kanal auch Güter wie Roheisen, Baumwolle und Munitionspulver in die Stadt. Luxusgüter wie englisches Porzellan und Zucker gehörten ebenfalls zu den Importgütern, die per Schiff kamen. Vom Hafen aus wurden die Waren den Kaufleuten mit besonderen Kanalfrachtwagen direkt vor die Tür gefahren. Neben den Lastschuten verkehrte zwischen 1733 und 1812 zweimal wöchentlich ein Postschiff, das sowohl Post als auch Personen beförderte. Eine Fahrt zwischen den beiden Endhäfen Münster und Maxhafen dauerte fast einen Tag.

Die Einstellung des Kanalbetriebs hatte Konsequenzen: Das vor dem Neubrückentor an der Kanalstraße gelegene Lagerhaus wurde nach dem Tod des letzten Kanalinspektors 1863 versteigert und zehn Jahre später abgerissen. Ende des 19. Jahrhunderts schüttete man den Kanal innerhalb des heutigen Rings komplett zu. Heute erinnert in Münsters Innenstadt nur noch der Name der vom Neubrückentor nach Norden führenden „Kanalstraße“ an dieses Stück münsterischer Verkehrsgeschichte.

Entwurf Johann Conrad Schlauns für einen Lastenkran am Hafen des Max-Clemens-Kanals 1731, Quelle: Bildarchiv des LWL-Medienzentrums.

Hafengebäude

Die Unterschiede zwischen diesem Kranentwurf von 1731 und dem Kran auf der Hafenabbildung von 1835 könnten darauf zurückzuführen sein, dass entweder der Plan von Schlaun nicht (exakt) umgesetzt oder der Kran nach der Zerstörung während des Siebenjährigen Kriegs in einer neuen Version wieder aufgebaut wurde.

Warentransporte im Hafen von Münster zwischen 1732 und 1802 in Schiffspfund (1 SP = 150 kg), Grafik: Markus Köster nach Knüfermann, S. 67, 69 und 97

 

Güterverkehr

Deutlich wird der enorme Überschuss an Einfuhren gegenüber den Ausfuhren. Bis zum Siebenjährigen Krieg (1756-1763) wurden mehr als 10x so viele Waren über den Hafen ein- als ausgeführt. Für die Kriegsjahre liegen keine Zahlen vor. Ab 1790 erhöhte sich die Ausfuhr relativ gesehen leicht. Ein Grund für den Importüberschuss dürfte darin liegen, dass die Kaufleute durch die Fürstbischöfe gezwungen waren, alle Einfuhren aus den Niederlanden über den Kanal durchzuführen und zu verzollen. Die Ausfuhren konnten demgegenüber auch über den Landweg vorgenommen werden.

Nach Münster eingeführte Waren im Jahr 1733. Dazu kamen in kleineren Mengen: Zucker, Teer, Korinthen, Rosinen, Stiefel, Farbe, Papier, Tabak, spanischer Wein, Syrup, Reis, Pfeffer; Grafik: Ulrich Haarlammert nach Knüfermann, S. 68
Verlauf von Kanal und Aa vom Hafen bis zur Wienburg, Quelle: Vermessungs- und Katasteramt der Stadt Münster (Urflurkarte der Stadt Münster)

Der Kanal vom Hafen bis zur Wienburg und seine Wasserversorgung

 

 

 

 

Zur Wasserversorgung des Kanals wurde die Aa in ihrer gesamten Breite westlich der Enking-Mühle bzw. dem späteren Schlachthof, d.h. auf Höhe des heutigen Lublin-Rings mit all ihrem Schlamm und Unrat in den Kanal geleitet und kurz vor dem Abzweig der Kanalstraße zur Wienburg durch einen Überfall, also eine Kante, die niedriger lag als die Seitenwände des Kanals, wieder herausgeführt. Die Folge war einerseits eine regelmäßige Verschlammung des Kanals, die immer wieder beseitigt werden musste, um die Schifffahrt zu ermöglichen. Andererseits reichten die Überläufe bei der Wienburg (und auch in Kinderhaus) bei Hochwasser nicht aus, Dammbrüche zu verhindern. Im heutigen Wienburgpark ist noch das frühere Aabett erkennbar.

Die Einleitung der Aa in den Kanal auf der Höhe des Klutenkamps (Ausschnitt aus der o.a. Karte), Quelle: Vermessungs- und Katasteramt der Stadt Münster

 


 

Teilansicht der Gräfteninsel mit der alten Hofanlage von Gut Nevinghoff; links das heute noch erhaltene Haupthaus des ehemaligen Gutes, Quelle: Stadtmuseum, Postkarte um 1910/20

Station 2: Nevinghoff und Wienburg

Der Nevinghoff

Gut Nevinghoff ist ein ehemaliger von Gräften umgebener bischöflicher Lehnshof aus dem 13. Jahrhundert, der bis heute viele Eigentümer erlebte. Bis zum 19. Jahrhundert war der Hof im Besitz von „Erbmännern“ (Ratsmitglieder, die selbst durch Erbschaft über Grundbesitz verfügten), die u.a. mehrere Bürgermeister von Münster stellten. Mit einer land- und forstwirtschaftlichen Betriebsfläche von ca. 85 ha übernahm 1826 Freiherr Heereman von Zuydwyck dieses Anwesen. In den 1970er Jahren wurde der Gebäudekomplex einschließlich eines Viertels der Ländereien (ca. 10,5 ha) an die Landwirtschaftskammer Westfalen Lippe verkauft. Nach einer Verwaltungsreform etablierte sich 2004 hier die Landwirtschaftskammer NRW.

Heutiges „Karl-Beverunge-Haus“ (Präsident der Landwirtschaftskammer Westfalen-Lippe 1964-1978), altes Haupthaus der ehemaligen Hofanlage, dient heute als Mehrzweckgebäude der Landwirtschaftskammer NRW (Kantine, Kita, Seminar- und Besprechungsräume, Hausmeisterwohnung), Foto: Gerd Grahlmann
Luftbild der heutigen Gesamtanlage, wo oben eingebettet in den Gebäudekomplex aus den 1980er Jahren das „Karl-Beverunge-Haus“ zu erkennen ist. Durch die Umgestaltungsmaßnahmen wurde ein Teil der ehemaligen Gräfte überbaut. Quelle: Google Earth
Aa-Stauwerk zwischen Nevinghoff und Wienburg, Foto: Gerd Grahlmann

Stauwerk an der münsterischen Aa

Fährt man vom Nevinghoff westwärts Richtung Kanalstraße, bzw. von der Wienburg über die Kanalstraße Richtung Nevinghoff, stößt man nach kurzer Zeit auf eine steinerne Aabrücke, an deren stadtzugewandter Seite sich ein in die Jahre gekommenes, langsam dem Verfall preisgegebenes Stauwerk befindet. Das etwa 10m lange Wasserbauwerk trägt an den nordseitigen halbrunden Köpfen der Grießpfeiler links und rechts den erhaben geprägten Firmenschriftzug „Atorf & Propfe, Paderborn“. Diese frühere Maschinen- und Mühlenbauanstalt wurde 1893 mit Sitz in Paderborn gegründet. Sie war schwerpunktmäßig auf mühlenbautechnische Produkte ausgerichtet, erweiterte ihr Angebotssortiment aber etwa ab 1915 um Bauangebote für Stau- und Wehranlagen sowie Schützenwehre. Ab 1931 verliert sich allerdings ihre Spur.

 

Bei dem Wehr handelt es sich zunächst einmal um einen Querbau durch den fließenden Aabettkörper, der mit seiner Stauvorrichtung den oberen Wasserspiegel beeinflussen kann. Der Wehrkörper besteht aus Mauerwerk, Beton, Holz und Metall. Es handelt sich um ein sogenanntes Schleusenwehr, das bei Hochwasser die Wassermassen auf stadtabgewandte Wiesen, Weiden und landwirtschaftliche Flächen abzuleiten und zu verteilen und bei Niedrigwasser den stadtzugewandten Flächen die nötige Feuchtigkeit erhalten hat. Die Flutschleuse besteht konkret aus einer abschließenden Holztafel (Schütze), die an dem linken und rechten Grießpfeiler über eine waagerecht verlaufende Kurbelmechanik auf- und abwärts geführt werden kann.

In diesem Zusammenhang darf auch angenommen werden, dass es eine Wassergrabenverbindung von dort zum nahegelegenen Gut Nevinghoff gab, das von einer Gräfte umgeben war, die je nach Wasserlage entsprechend eingebunden werden konnte.

Das Bauwerk ist inzwischen aus dem aktuellen städtischen Wasserrecht herausgenommen worden. Mit einer Demontage würde Münster um ein Kleinod im Bereich der Aa ärmer.

Sonniger Weg vor Münster, Otto Modersohn. Quelle: Stadtmuseum Münster, Großpostkarte

Waldeyers Kotten

 

Das 1887 vom deutschen Landschaftsmaler Otto Modersohn (1865-1943) geschaffene Gemälde „Sonniger Weg vor Münster“ ist eine Synthese aus Kunst und Historie. Das noch heute fast unveränderte, inzwischen unter Denkmalschutz stehende typisch münsterländische Kötterhaus, ehemals der Kotten Waldeyer, einschließlich der dazugehörenden Baumgruppe (heute Kern des Reitbetriebs Stegemann-Wibbelt), ist zu einem stadtgeschichtlichen Dokument am Max-Clemens-Kanal geworden. Das Gemälde zeigt einen Blick vom Norden der heutigen Kanalstraße auf die Stadt mit links liegendem Kanalbett, dem Gehöft sowie dem in der Bildmitte liegenden Kugelbaum, von wo aus die Zuwegung zur Wienburg erfolgt.

Die Wienburg auf einem Aquarell von Otto Modersohn aus dem Jahr 1884

Die Wienburg und ihr Barockgarten

 

Im Norden Münsters, zwischen Kinderhaus und Coerde, stoßen Interessierte auf ein etwas versteckt liegendes Anwesen der Stadtgeschichte, die „Wienburg“. Ihr Ursprung geht zurück bis ins 13. Jahrhundert. Sie war in kirchlichem Besitz und urkundlich erwähnt unter dem Namen „Hof Gerninc“. 300 Jahre später taucht dann der Name Wienburg als Herrensitz der edlen Herren Kleyhorst von Meverden auf.

Die Wienburg auf einer Postkarte um 1910, Quelle: Cramers Kunstanstalt, Dortmund, Postkartensammlung Bernd Löckener

Weitere Besitzwechsel an die Herren von Kückelsheim-Nevinghoff, danach an die Familie Wintgen sowie an den Reichspostmeister von Hamm folgten, bis das mit Gräften umgebene Anwesen einschließlich eines ca. 1 ha großen Parks um 1826 schließlich von der Familie des Freiherrn Heereman von Zuydwyck erworben wurde, die es heute noch besitzt. Das Haupthaus wird seit 1788 als „Kaffeehaus“ genutzt und von 1826 bis heute in siebter Generation als Hotel und Restaurant von der Familie Holtmann aus Münster geführt.

Darstellung der ehemaligen Gartenanlage der Wienburg im 18. Jahrhundert (Gliederungsschema), Rekonstruktion: Bernd Löckener/Ulrich Haarlammert

Der im Barockstil erbaute Park kann heute leider nur noch als Restanlage wahrgenommen werden. Er lebt aber auf, wenn man sich die rekonstruierte Skizze der Altanlage ansieht. Eine barocke Backsteinmauer, durchbrochen von einem Doppeltor im Norden, umgab den Park, der in vier Felder gegliedert war. Über das Areal waren 12 allegorische Statuen, ein Sockel mit einer Sonnenuhr sowie zwei Rokokovasen auf den Torpfeilern verteilt, die heute beschädigt oder ganz verschwunden sind.

 

Wie aus alten Unterlagen hervorgeht, befand sich am Eingang des Areals im Süden ein ursprünglich mit einer Sonnenuhr versehener Polyeder aus Baumberger Sandstein (3). Am Gartentor der 2,75m hohen Backsteinmauer im Norden standen zwei Mauerpfeiler (gegliederte Pylone), auf denen sich je eine Rokoko-Vase befand. Die Vase auf dem westlichen Pfeiler (1) stellte eine Allegorie des „Tages“ dar, symbolisiert durch eine Sonne; sie hatte Frauenmasken als Handgriffe. Die Vase auf dem östlichen Pfeiler (4) enthält eine Allegorie der „Nacht“, symbolisiert durch eine Mondsichel mit Sternen und bärtigen Männerköpfen

Im Garten selbst waren 12 Skulpturen aufgestellt, je 3 davon an der westlichen und an der östlichen Mauer. Es handelt sich dabei im Einzelnen um die „Nacht“ (2), den „Abend“ (5), den „Morgen“ (6), den „Mittag“ (7), sowie dazwischen den „Phlegmatiker“ (8) und gegenüber den „Melancholiker“ (9). Auf dem zum Tor führenden Mittelweg waren die folgenden Figuren aufgestellt: im Westen der „Choleriker“ (10), im Osten der „Sanguiniker“ (11). In der Wegmitte, wo sich der Mittelweg mit dem West-Ost-Weg kreuzte, standen der „Sommer“ (12), der „Winter“ (13), der „Frühling“ (14) und der „Herbst“ (15) auf ihren Sockeln.

 

Teil der Restfigurengruppe, Foto: Gerd Grahlmann

Nach ihrer Ausgestaltung und künstlerischen Qualität haben die Skulpturen große Ähnlichkeiten mit den Figuren in der Außenanlage von Schloss Nordkirchen. Es kann vermutet werden, dass sie aus der Hand bzw. Werkstatt ein und desselben Meisters stammen. Leider sind die noch erhaltenen Skulpturen heute so verwittert, dass eine Restaurierung kaum noch möglich erscheint. 

Die Umgebung der Wienburg mit dem ehemaligen Kotten von Waldeyer, der Landwirtschaftskammer mit dem Nevinghoff sowie dem Wienburgpark, Quelle: Google Earth

Wienburgpark

 

Stadtnah und in idyllischer Lage wurde in den 1970er Jahren am nördlichen Stadtrand von Münster der „Wienburgpark“ mit einer Größe von 26 ha entlang der Aa und des Max-Clemenskanals geschaffen. Er ist landschaftsökologisch und freizeitorientiert gegliedert durch befestigte Wege, Freizeitwiesen und Kinderspielplätze und bietet mit dem auf östlicher Seite vorgelagerten ökologisch sehr wertvollen Feuchtgebiet (teilweise im alten Aabett) mit üppiger Fauna und Flora besondere Erlebnismöglichkeiten für Naturfreunde und Spaziergänger.

Kanalüberfall und Wasserdurchlauf, Quelle: Vermessungs- und Katasteramt der Stadt Münster (Urflurkarte)

Die Kanalbauwerke mit Überfall und Wasserdurchlauf

 

Während des Kanalbetriebs war an der heutigen Zufahrt zum Nevinghoff eine Überlaufkante, die niedriger war als der Kanaldeich, in den Kanal eingearbeitet, über die das überschüssige Wasser der Aa aus dem Kanal austreten konnte (Überfall). Darüber hinaus war an dieser Stelle auch ein Durchlauf vorgesehen, durch den das Wasser aus den westlichen Wiesen, dem früheren Aabett, unter dem Kanal hindurch ablaufen konnte.

Die Kanalbauwerke bei Haus Bröderich und der Wienburg (Brücke, Überfall und Wasserdurchlauf), Quelle: Landesarchiv NRW, Abteilung Westfalen, W 051/Karten A Nr. 4939 (Auszug)

Kirche und Leprosorium, Quelle: Vermessungs- und Katasteramt der Stadt Münster (Urflurkarte)

Station 3: Kinderhaus

Zur Geschichte von Kinderhaus

Kinderhaus, ein Stadtteil in Münsters Norden, blickt auf eine fast 700-jährige Geschichte zurück. Am Anfang war die Lepra: 1326 stiftete der Münsteraner Udo von der Tinnen das Gut Idenbrock im Kirchspiel Überwasser und drei weitere Höfe im Kirchspiel Altenberge. Die Erträge der Stiftung wurden zur Einrichtung und zur Unterhaltung eines Leprosoriums genutzt, in dem die leprakranken Menschen der Stadt Münster untergebracht und versorgt wurden. Seinen Ort fand das Leprosorium 1333 im Norden der Stadt, gleich neben einer kleinen Kapelle, der heutigen Kirche St. Josef.

Ehemalige Durchreiche für Kleidungs- und Lebensmittelspenden in der Mauer des Leprosoriums, Quellen: Heimatmuseum Kinderhaus

Der Ort war gut gewählt, denn zwischen der Kirche und dem Leprosorium führte ein wichtiger Handelsweg von Münster zur Nordsee. Viele Händler kamen vorbei. Für das eigene Seelenheil und das Glück auf der Reise gaben die Händler bereitwillig Spenden, die den Leprosen zugutekamen. Noch heute ist eine Öffnung in der Mauer erkennbar, durch die Kleidung und Lebensmittel gespendet werden konnten. Ebenfalls erhalten ist ein kleines Häuschen aus dem 17. Jahrhundert mit Figuren der hl. Gertrud und des hl. Lazarus, das als große „Spendenbox“ für Geldspenden diente.

Die leprakranken Menschen nannte man die „armen Kinder Gottes“ und so bekam der Ort seinen Namen – Kinderhaus.

Modell der St. Josefs-Kirche und des Leprosoriums, Quelle: Heimatmuseum Kinderhaus

Ende des 16. Jahrhunderts verschwand die Leprakrankheit aus Mitteleuropa. Für wenige Jahrzehnte lebten noch vereinzelt leprakranke Menschen in Kinderhaus. Dann änderte sich die Nutzung. Nach dem Westfälischen Frieden 1648 übernahm Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen für kurze Zeit die Verwaltung der vormals städtischen Einrichtung. Er ließ das heute noch bestehende langgestreckte Fachwerkhaus errichten. Nach der Fertigstellung 1670 diente es zunächst als Wohn- und Arbeitshaus für verwaiste Kinder.

Das Pfründnerhaus Kinderhaus, errichtet 1662-1666. Zunächst waren hier Waisenkinder untergebracht, ab 1684 die Armen der Stadt Münster. Quelle: Heimatmuseum Kinderhaus

Im späten 17. Jahrhundert wurde das Haus erneut umgewidmet, nachdem die Stiftung wieder von der Stadt übernommen worden war. Fortan diente das Haus als Armenhaus der Stadt Münster – die armen Menschen, die als Pfründner hier lebten, wurden noch immer von den Erträgen der alten Stiftung aus dem 14. Jahrhundert unterstützt. Angesichts der Armut nannten die Kinderhauser das langgestreckte Gebäude den „langen Jammer“. Bis ins 20. Jahrhundert hatte das Armenhaus bestand.

Heute befinden sich in dem alten Fachwerk mehrere Wohnungen, zwei Museen und die Büroräume der Deutschen Lepra- und Tuberkolosehilfe (DAHW). Das Lepramuseum in der Trägerschaft der Gesellschaft für Leprakunde beleuchtet die Geschichte der Lepra. Mit der angeschlossenen Dokumentationsstelle für Leprakunde besteht eine international renommierte Einrichtung, die sich mit allen Fragen rund um die Leprakrankheit befasst.

Über zwei Etagen erstreckt sich schließlich das Heimatmuseum Kinderhaus, das viele Aspekte der Stadtteilgeschichte beleuchtet. Getragen wird das Museum von der Bürgervereinigung Kinderhaus.

Die Kirche St.-Josef in ihrem einschiffigen Zustand vor den Erweiterungen 1921/22 und 1952/53, Quelle: Heimatmuseum Kinderhaus

Markantes Zeichen in Kinderhaus ist die Kirche St. Josef. Ihre genauen Ursprünge liegen im Dunkel. Es ist aber davon auszugehen, dass sich schon im 14. Jahrhundert hier eine kleine Kapelle befand, die schließlich den Anlass dazu gab, das Leprosorium genau an dieser Stelle zu errichten. Ein erster steinerner Kirchbau erfolgte zu Beginn des 15. Jahrhunderts. Der einschiffige Kirchbau nahm nur ein Viertel der heutigen Kirche ein. Geweiht war die Kirche der hl. Gertrud, die als Schutzpatronin der Leprakranken gilt. Zugleich wurde sie von den Reisenden verehrt. Die Opfergaben der Händler, die auf dem Handelsweg entlang zogen, kamen den leprakranken Menschen zugute.

Unter dem Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen wurde die Kirche zum ersten Mal erweitert. Unter anderem entstand in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts der barocke Kirchturm, der das Wappen des Fürstbischofs trägt. Zugleich wurde die Kirche zur Kirche St. Josef, wohl auch, weil für einige Zeit hier elternlose Kinder untergebracht wurden, die im Arbeitshaus einen Beruf erlernen sollten – der hl. Josef gilt als Patron der Handwerker, Familien und Kinder.

Erst 1908 wurde Kinderhaus zur Pfarre erhoben. In den folgenden Jahren machte sich Kinderhaus auf den Weg, ein moderner Stadtteil zu werden. Der Zuwachs war enorm. Um 1900 haben nur wenige hundert Menschen weit verstreut in der Umgebung gewohnt. Heute leben in Kinderhaus fast 16.000 Menschen. Diese Entwicklung spiegelte sich auch in der Kirche wider. In den 1920er und den 1950er Jahren wurde sie erheblich erweitert. Dank behutsamer Planungen aber hat sich ihr Charakter als Dorfkirche bis zum heutigen Tag erhalten.

Gut Kinderhaus, Quelle: Westfalenfleiß GmbH

Gut Kinderhaus

Unter den vielen Bauernhöfen, die die Umgebung des früheren Leprosoriums und des späteren Armenhauses prägten, spielt das Gut Kinderhaus eine hervorragende Rolle. Der frühere Schulzenhof Brüning war 1422 vom Leprosorium in Kinderhaus erworben worden und war ihm in den nächsten Jahrhunderten eigenhörig. Das heißt, die Erträge kamen den leprakranken Menschen zugute, die Bauern waren dem Leprosorium zu Diensten und Abgaben verpflichtet. Nachdem Schulze Brüning den Hof Mitte des 19. Jh. im Zuge der „Bauernbefreiung“ durch den preussischen Staat erworben hatte, verkaufte er ihn 1913 an den Provinzialverband Westfalen, den Vorläufer des heutigen Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe. Der Hof diente seit 1914 zur Versorgung der Provinzialheilanstalt Marienthal in Münster (heute LWL-Klinik). Unter dem Namen Gut Kinderhaus betreibt dort heute die Westfalenfleiß GmbH eine Wohn- und Arbeitsstätte für Menschen mit Behinderungen sowie ein Café.

Ausschnitt aus dem Situationsplan der Wasserbauwerke bei Kinderhaus von 1833 mit der Lage der Brücken und dem wahrscheinlichen Ort des Kanaldurchstichs von Schulze Brüning im Jahr 1775, Landesarchiv NRW, Abteilung Westfalen W 051/Karten A Nr. 5074 (Auszug)

Der Max-Clemens-Kanal in Kinderhaus

Die Kinderbachbrücke und der Durchlauf des Kinderbachs am Max-Clemens-Kanal 1821, Quelle: Landesarchiv NRW, Abteilung Westfalen W 051/Karten A Nr. 4939 (Auszug)
Durchlass des Kinderbachs unter dem Max-Clemens-Kanal in Kinderhaus, Quelle: Landesarchiv NRW, Abteilung Westfalen W 051/Karten A Nr. 4281

Eingang zum Heimathof mit Muttergotteshäuschen. Quelle: Elmar Lange

Station 4: Heimathof des Heimatverein Sandrup-Sprakel-Coerde e.V.

Geschichte des Heimathofes

Der Heimathof des Heimatvereins war einer von drei Kotten, die bis zum Jahr 1913 zum Hof Schulze Brüning in Sandrup, dem heutigen Gut Kinderhaus, gehörten. Der Kotten fand seine erste urkundliche Erwähnung in einem Güterverzeichnis aus dem Jahr 1671. Dort wurde er als „Kotten im Pferdekamp“ angesprochen, für den der damalige Pächter Johann Meyer jährlich 10 Reichstaler an den Hof Schulze Brüning zu zahlen hatte. 1709 wurde derselbe Kotten als „Lehneken-Kotten“ bezeichnet. Der Kötter wurde vom Pastor in Kinderhaus für Arbeiten gebraucht. Er musste dem Schulzen des Gutshofs jährlich zwei Scheffel Gerste geben, zwei Tage mähen helfen und im Übrigen den anderen Weidegenossen „in allem gleichtun“.

Blick von der Tenne in die Deele des Heimathauses. Quelle: Elmar Lange

1913 wurden Hof und Kotten von Schulze Brüning an den Provinzialverband Westfalen, den Vorgänger des heutigen Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL), verkauft.

1976 schloß der Heimatverein mit dem LWL einen Nutzungsvertrag, der dem Verein das Recht einräumte, den Kotten für Vereinszwecke zu nutzen. 1982 wurde ein Erbbauvertrag für 50 Jahre geschlossen, der dem Verein die rechtliche Grundlage für den Wiederaufbau des Hofes gab und die Besitzverhältnisse der neu erstellten Gebäude zu seinen Gunsten regelte.

Von 1980 bis 1983 wurde zunächst der ehemalige Schweinestall renoviert und zu einer Wohnung für die Verwalterfamilie umgebaut. 1985 wurde das Haupthaus fertiggestellt. Im Laufe der Zeit wurde das Ensemble noch durch weitere Gebäude ergänzt, wie beispielsweise eine Durchfahrscheune und einen alten Spieker, der am Heimathof neu errichtet wurde.

Alle Arbeiten an der Hofanlage erfolgten und erfolgen ehrenamtlich.

Lage des Kottens von Schulze Brüning – des heutigen Heimathofs, Quelle: Vermessungs- und Katasteramt der Stadt Münster (Auszug aus der Urflurkarte von 1826)
Quelle: Landesarchiv NRW, Abteilung Westfalen, Bildersammlung Nr. 340

Der erste Spatenstich durch den Fürstbischof 1724

Fürstbischof Clemens August (rechts im Ornat) führte den ersten Spatenstich am 9. Mai 1724 in Gegenwart des preußischen (Mitte) und polnischen (links) Gesandten durch. Der dabei benutzte silberne Spaten ist heute noch im Stadtmuseum Münster erhalten. Links sind sowohl Soldaten als auch Bauern mit geschulterten Spaten als Arbeitskräfte aufgereiht. Während die Bauarbeiten für die Soldaten zu den Dienstpflichten zählten, erhielten die Bauern Tagelohn. Die Hügel im Hintergrund gehören zu Nienberge.

Lage des 1. Spatenstichs, Quelle: Auszug aus der Karte von Meetsma von 1724, Text: „Hier hat seine Churfürstliche Durchlaucht Clemens August als Bischof von Münster mit eigener hoher Hand den ersten Stich an diesem neuen Canaal getan, Anno 1724, den 9.Mai“. Quelle: Landesarchiv NRW, Abteilung Westfalen W 051/Karten A Nr. 5066 (Auszug)

Plan der Hölzernen Schleuse im Juni 1821, Quelle: Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen, W051/Karten A Nr. 2158

Station 5: Hölzerne Schleuse

Die Hölzerne Schleuse

Bei den ursprünglichen Planungen war für den Kanal nur eine Schleuse, die später so genannte Steinerne Schleuse vorgesehen. Im Laufe der nachfolgenden Jahre ergab sich aber immer wieder das Problem, dass bei Hochwasser der Aa so bedeutende Flutmengen ungehindert in den Kanal flossen, sodass die Dämme der oberen Haltung (vom Kanalhafen in Münster bis zur Steinernen Schleuse) drohten, nicht standzuhalten.

Um diesen Missstand zu beseitigen, schlug der junge Gerben Meetsma, der seit Anfang der 1730er Jahre als Neffe von Georg Michael Meetsma als bauleitender Inspektor die Aufgaben seines Onkels übernommen hatte, u.a. vor, eine zweite kleinere Schleuse, die sog. Hölzerne Schleuse, im Sandruper Feld, etwa 8,6 km vom Hafen in Münster entfernt, zu bauen, was nach wiederholten Dammbrüchen in den Jahren 1736/37 und 1739 im Jahr 1741 auch erfolgte.

Querschnitt (Unterhaupt) der Hölzernen Schleuse 1741, Quelle: Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen W 051/Karten A Nr. 4939 (Auszug)

Diese Schleuse hatte eine Stauhöhe von 1,4 m und erhöhte das Niveau oberhalb um 0,35 m, entlastete die Dämme unterhalb also um 1,05 m.  Von einer Erhöhung der Dämme nach Münster hin ist nichts bekannt.           
Mit dieser hölzernen Schleuse wurde der Zweck erreicht, die Dämme bei Hochwasser gegen Durchbruch zu sichern und den Wasserstand der oberen Haltung zu erhöhen.

Lage: ca. 8,6 km vom Hafen in Münster entfernt
Länge: 17,3 m
Breite: 4,4 m
Fallhöhe: 1,40 m; sie erhöhte das Niveau oberhalb um 0,35 m und entlastete die Dämme unterhalb um 1,05 m
Kapazität: 1 Schute
Material: Holz
Bauzeit: ca. 1 Jahr
1. Schleusung: 1741
Quelle: Knüfermann, S. 41

Lage der Hölzernen Schleuse. Nahebei: der Kotten des Schleusenwärters Lütke Lohmann. Oben: der Hof Werland, seit 1873/74 Gaststätte Renfert „Hölt‘ne Schluse“, Quelle: Vermessungs- und Katasteramt der Stadt Münster (Urflurkarte von 1826)

Schleusenwärterhaus Lütke Lohmanns Kotten

Das Land direkt östlich des Standorts der Schleuse muss in der Zeit zu der in Sichtweite gelegenen Hofstelle Häger 13 mit dem Hofnamen Lütke Lohmann, heute Hölkenbusch 200, gehört haben. Daher heißt das Schleusenwärterhaus in der Urflurkarte von 1826 „Lütke Lohmanns Kotten“, heute Am-Max-Klemens-Kanal 276. Zumindest der erste Schleusenwärter stammt von diesem Hof. 1829 ist Große Lohmann Eigentümer.

Der ihn bewohnende Kötter betreute die Schleuse und erhielt dafür um 1800 ein jährliches Schleusengeld von 12 Reichstalern pro Jahr. Sein Kollege an der Steinernen Schleuse erhielt wegen der dort viel höheren Stauhöhe und daher längeren Schleusungszeit 30 Reichstaler.

Quelle: Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen (Auszug aus dem Protokoll der Kanalkommission für den Fürstbischof vom 10.07.1772, Übersetzung: Ludger Dahlhaus)

 

 

 

Der Kanal und die Bauern

Immer wieder kam es zwischen den anliegenden Bauern und der Kanalkommission zum Streit.  Nicht nur die Benutzung der beim Bau der Schleuse errichteten Brücke war den Bauern verboten, sondern auch die des Kanal-Seitenweges und des Kanals selbst zum Tränken des Viehs oder zum Angeln. Die Seitenwegbenutzung war den Jagdgesellschaften vorbehalten. Der Leinpfad war völlig verboten. Eine Kette hinderte die Bauern an der Nutzung der Brücke.

Ölgemälde „Am alten Kanal“ des münsterschen Malers Eugen Fernholz von 1893, das sich im Besitz des Stadtmuseums Münster befindet. Ein Duplikat hängt in der Gaststätte Hölt’ne Schluse. Das Bild wird fälschlicherweise zumeist als „Hölt’ne Schluse“ bezeichnet. Der Bau kann aber wegen seiner Zweistöckigkeit nicht das 1873 errichtete einstöckige Hauptgebäude der heutigen Gaststätte sein. Quelle: Stadtmuseum Münster

Gaststätte Renfert „Hölt‘ne Schluse“

Nachdem Theodor Renfert auf den Hof Werland eingeheiratet hatte, baute er das Haupthaus 1873/74 zur Gaststätte „Hölt‘ne Schluse“ aus, die heute in vierter Generation von Dietmar Renfert-Deitermann geführt wird, nachdem sein Onkel Franz Renfert 2019 verstarb. Sie ist besonders berühmt für ihre Schinkenschnittchen, deren Schinken im eigenen Bosen über dem Herdfeuer mit Buchenholz geräuchert werden, sowie für ihre Speckpfannekuchen.

Aufbau einer Landwehr, Quelle: LWL-Museum für Naturkunde, Bernd Tenbergen

Die Landwehr

Die Kirchspiele in Münsters Norden waren, wie auch die übrigen Kirchengemeinden, von Landwehren umgeben, die ihrem Schutz dienten. Sie wurden im Spätmittelalter um 1300 errichtet und verloren ihre militärische Funktion im 17. Jahrhundert. Im Münsterland behielten sie aber bis Anfang des 19. Jahrhunderts eine wichtige Rolle als Holzreservoir. Unter Napoleon wurden sie zum Teil geschliffen, zum Teil verfielen sie von selbst.

Als Landwehren bezeichnet man Anlagen, die aus hintereinander gestaffelten Wällen und Gräben bestehen. In unserer Region bestanden die Landwehren üblicherweise aus zwei- oder dreifachen Erdwällen mit den dazugehörigen Gräben. Sie wurden durch aufgepflanzte Hecken aus Eichen, Hainbuchen, Haselnuss oder Erlen verstärkt. Der Bewuchs wurde auf Mannshöhe gekappt und mit den Zweigen ineinander verflochten. Zudem setzte man noch stachelige Strauch- bzw. Rankengewächse wie Schwarz- und Weißdorn, Heckenrose oder Brombeere darauf. Die tiefen, mit Wasser gefüllten Gräben ergänzten diese Anlagen.

Heutiger Zustand der Landwehr an der Ecke Höltene Schluse/Flothbach, Foto: Elmar Lange 2010

An den Durchgängen befanden sich Schlagbäume, in deren Nähe die Schlagbaumhüter wohnten. Letztere kontrollierten die Passagen und erhoben zum Teil Durchgangs- und Wegezölle. Beschädigungen oder Zerstörungen der Landwehren wurden schwer bestraft.

Wie die Landwehren im Norden Münsters im Einzelnen verliefen, zeigt ihre Rekonstruktion in einer Karte von Münster aus dem Jahr 1837. In Sandrup, Sprakel und Coerde verlief die Landwehr von Nienberge herkommend an der Gaststätte Hölt‘ne Schluse vorbei von West nach Ost bis zum Sandruper Baum, dem Durchgang der alten Königsstraße (jetzt B 219) von Greven nach Münster.


Der Max-Clemens-Kanal-Wanderweg im Kreis Steinfurt

Die Lage der steinernen Schleuse 1821, Quelle: Landesarchiv NRW, Abteilung Westfalen W 051/Karten A Nr. 4939 (Auszug)

Station 6: Greven II – Die steinerne Schleuse

Lage: 15 km nördlich von Münster an der Kreuzung des Kanals mit der Nordwalder-Straße zwischen Greven und Nordwalde (L 555)
Länge zwischen den Toren: 45 m
Breite: 4 m; größte Innenbreite: 10 m
Fallhöhe: 3,8 m, nach dem Bau der hölzernen Schleuse 1741: 2,8 m
Kapazität: 4-5 Schuten
Fülldauer: 15 Minuten
Material: Sandstein aus den Steinbrüchen bei Bevergern
Baubeginn: 1726, Bauzeit: ca. 1 1/2 Jahre
1. Schleusung: Juni 1728

Rückbauplan der Steinernen Schleuse „Profil von der steinernen Schleuse, wie darinne eine kleinere könte angelagt werden“ (vermutlich 1741), Quelle: Landesarchiv NRW, Abteilung Westfalen W 051/Karten A Nr. 2286

Mit dem Bau der hölzernen Schleuse im Jahr 1741, in der nur eine Schute geschleust werden konnte, wurde ein Plan erstellt, auch die steinerne Schleuse auf die Kapazität von nur einer Schute zurückzubauen.

Dieser Rückbau ist aber höchstwahrscheinlich nicht realisiert worden. So ist auf dem  Grundriss und Längendurchschnitt von B. Tibbe aus dem Jahr 1821 keinerlei Rückbau erkennbar. Weiterhin zeigt die Ansicht des Oberhaupts den dort seit 1815 errichteten Damm. Zum dritten wird für 1759 berichtet, dass der Wasserverbrauch für einen Schleusengang mit einer Schute in der hölzernen Schleuse 3.080 Kubikfuß Wasser und für einen Schleusengang mit fünf Schuten in der steinernen Schleuse 31.788 Kubikfuß Wasser betrug, also mehr als das Zehnfache. Diese Menge erscheint bei einer fünffachen Kapazität und einer doppelten Hubhöhe für die steinerne Schleuse angemessen. Alle drei Indikatoren sprechen nicht für einen Rückbau der steinernen Schleuse. 

Die Lage der ehemalige Steinerne Schleuse (rechts im Bild). Sie ist heute völlig zugewachsen und als solche nicht mehr erkennbar. Foto: Elmar Lange

Haus der Geschichte in Reckenfeld, Lennestraße 17, ein ehemaliger Munitionsschuppen, Quelle: Kreis Steinfurt, Umwelt- und Planungsamt, 2020

Station 7: Greven I – Reckenfeld

„Die landwirtschaftlich geprägte Gemarkung Reckenfeld erfuhr am zweiten November 1916 ihren Urknall, als durch das Preußische Kriegsministerium der Befehl erging, an der Eisenbahnstrecke Münster-Rheine „bei Münster“ ein Nahkampfmitteldepot zu errichten. Das Terrain umfasste rund 153 Hektar Fläche, auf der 208 Munitionsschuppen errichtet wurden. Insgesamt wurden 7,4 Millionen Stiel-, Eier- und Wurfgranaten sowie Minen eingelagert. Zum Einsatz kamen sie nie.

Nach Kriegsende wurden sie vernichtet. Die gesamte Militäranlage wurde im Jahr 1923 an die Eisenhandelsgesellschaft Ost GmbH verkauft. Bis Ende 1927 wurden die ehemaligen Munitionsschuppen an 169 Familien aus 80 Orten vermarktet. Unter großen Entbehrungen haben diese Siedler als Neubürger von Reckenfeld eine dörfliche Gemeinschaft aufgebaut. Ein eigenständiges Schulwesen und die kirchlichen Organisationen trugen dazu bei.


Gaststätte „Lintels Kotten“ sowie der Standort der ehemaligen Schmiede und der Gaststätte „In der Mutter Gottes“, Grafik: cognitio

Station 8: Emsdetten II – Lintels Kotten

Der Name „Lintels Kotten“ stammt von einem kleinen Fachwerkbau, der gegenüber der heutigen Gaststätte lag. Der ehemalige Standort ist hier noch deutlich als von Eichen umstandene Waldlichtung erkennbar. Auch eine Schmiede hatte in dieser Waldung ihren Standort. Dort wurden nicht nur die Pferde der Bauern, sondern auch die Treidelpferde der Boote des benachbarten Max-Clemens-Kanals mit Hufeisen beschlagen. Auch eine Windmühle stand hier einmal.

 

Die heutige Gaststätte „Lintels Kotten“, Foto: Heimatbund Emsdetten

Auf Grund eines sicherheitspolizeilichen Erlasses von 1765 mussten alle Ortsbehörden die auf ihrem Gemeindegebiet befindlichen Gasthäuser in einer Liste erfassen und an die münstersche Regierung senden. Dieser Erlass sollte der Unsicherheit im Land durch Bestimmungen über die Fremdenaufsicht entgegenwirken. Aus dieser Liste geht hervor, dass Lintels Kotten vor dem Jahre 1765 noch den Namen „In der Mutter Gottes“ trug. Ein weiterer Erlass von 1774 betraf die Schildpflicht für Gastwirte und verlangte die Einsendung eines neuen Verzeichnisses aller ansässigen Gasthäuser.


Quelle: Pannen Libbet

Station 9: Emsdetten I – Pannen Libbet und die Hauge Brügge

Der Name des Gasthofs „Pannen Libbet“ blickt auf eine lange Geschichte zurück. Es war die Zeit, als die Dächer noch mit Stroh gedeckt wurden. „Pannen Libbet“ kommt daher, dass die damaligen Besitzer sehr früh das Hausdach mit den frisch auf den Markt gekommenen Dachziegeln oder Dachpfannen deckten. Plattdeutsch heißen sie „Dackpannen“, daher der Name „Pannen“. Weil die Frau des damaligen Besitzers den Vornamen Elisabeth trug, wird gefolgert, dass bereits zu jener Zeit der Name „Pannen Libbet“ geprägt wurde.

Postübergabe an der „Hauge Brügge“, Quelle: cognitio – Kommunikation & Planung GmbH

 

Die „Hauge Brügge“ war eine kleine Brücke, die nahe der Gaststätte Pannen Libbet über den Kanal führte. Dort wurden damals die für Borghorst, Burgsteinfurt und Emsdetten bestimmten Post- und Gütersendungen ein- und ausgeladen. Diese Brücke mit Holzgeländer, direkt vor der Stirnseite des Hauses Walters, ist die letzte Zeugin eines großen Planes, der hier vor etwa 300 Jahren Aufsehen erregte.

Im Emsdettener Venn. Quelle: Anneli Hegerfeld-Reckert/LWL-Medienzentrum für Westfalen

Wegen ihrer besonderen biologischen Vielfalt sind die Wiesen am Max-Clemens-Kanal, wie auch das naheliegende Emsdettener Venn, zum europäischen Schutzgebiet geadelt. Die häufige und lang andauernde Überflutung der Wiesen kommt selten gewordenen Wiesenvögeln zugute, die hier regelmäßig brüten.

Entwässerungsmaßnahmen und Torfabbau setzten dem Hochmoor in der Vergangenheit stark zu. Im Jahr 1941 wurde das Emsdettener Veen unter Schutz gestellt, jedoch wurde hier auch nach dem 2.Weltkrieg aus Not das kostbare Brennmaterial „Torf“ gestochen. Es wird noch lange Zeit dauern, bis sich das Hochmoor regeneriert hat.


Gaststätte Clemenshafen um 1930, Quelle: LWL-Medienzentrum für Westfalen

Station 10: Clemenshafen

Clemenshafen am Frischhofsbach trägt den Namen des Erbauers Fürstbischof Clemens August von Bayern. Der Hafen war seit der Inbetriebnahme des Kanals von 1731 bis 1771 der Eckpunkthafen. Hier befand sich ein Speditions- und Postgebäude. Die Waren der ankommenden Schiffe wurden hier entladen und mit Pferdefuhrwerken weiterbefördert. Als der Kanal im Jahre 1771 um sechs Kilometer verlängert wurde, verlor der Hafen an Bedeutung.

Clemenshafen wurde zu einer landwirtschaftlichen Hofstelle und besaß durch Zukauf der Besitzerfamilie von Olfers aus Münster um 1900 rund 1.000 Morgen (244 Hektar), welche hauptsächlich mit Nadelwald bewachsen waren. Im Volksmund nannte man die Flächen „Olfers Tannen“. Die letzte Besitzerin, die Freifrau Franziska Magdalene von Kerckering zu Borg in Rinkerode, veräußerte das Gut 1919 an die Siedlungsgesellschaft „Rote Erde“. Diese verkaufte in den Folgejahren von 1920 bis 1923 den Grund und Boden an siedlungswillige Bauernsöhne und Heuerleute. So entstand die aus 15 Siedlern bestehende Bauerschaft „Rote Erde“. Heute erinnert nur noch die Gaststätte Clemenshafen, die auf eine mindestens 200 Jahre alte Geschichte zurückblicken kann, an den früheren Hafen. Die heutige Besitzerfamilie Ostermann brach 1965 das alte Hafengebäude ab und baute an gleicher Stelle eine moderne Gaststätte. Zwei der mit Schnitzornamenten versehenen Türen aus dem alten Gebäude wurden in der neuen Gastwirtschaft integriert.


Postkutsche vor dem 1. Weltkrieg, Foto: Gemeindearchiv Wettringen

Station 11: Neuenkirchen

Hier befand sich eine von insgesamt 15 hölzernen Brücken über den Max-Clemens-Kanal. Die Brücken dienten sowohl der Überquerung als auch dem Be- und Entladen der passierenden Boote.

Bis 1771 erfolgte der Postverkehr von Münster nach Holland, speziell nach Zwolle mit einem 2x wöchentlich verkehrenden Postschiff bis Clemenshafen, danach bis Maxhafen. Von dort wurde die Post auf dem Landweg mit Postkutschen weiterbefördert. Dieser Weg trägt bis heute den Namen Postdamm.

Feldschule St. Arnold um 1950, 1949 wurde ein 2. Klassenzimmers angebaut. Quelle: Umwelt- und Planungsamt Kreis Steinfurt

In ca. 1 km Entfernung vom Treidelpfad befand sich die alte Dorfschule von St. Arnold, eine typische Bauerschaftsschule. Von 1901 bis 1966 wurde hier anfangs in einem und ab 1949 in zwei Räumen unterrichtet. Anfang der 1950er Jahre waren es bis zu 180 Schüler, die hier sowohl Vormittags- als auch Nachmittagsunterricht erhielten. Die hohe Schülerzahl war bedingt durch die vielen Flüchtlingsfamilien, die während und nach dem zweiten Weltkrieg aus den bombardierten Städten flohen. Nachdem sie zunächst in der Bauerschaft untergebracht wurden, siedelten viele von ihnen im neu entstanden Ortsteil St. Arnold. Das Schönschreiben und Stillsitzen auf alten Holzschulbänken waren damals noch wichtige Tugenden und wurden meist mit strengen Lehrmethoden durchgesetzt.


Die Lage von Maxhafen in Wettringen, Quelle: Gloeser, Preußische Kartenaufnahme von 1848

Station 12: Maxhafen in Wettringen

Den ursprünglichen Plänen von Meetsma folgend wurde unter dem Nachfolger von Clemens August, Fürstbischof Maximilian Friedrich von Königsegg-Rothenfels, von 1766 bis 1771 ein weiteres sechs Kilometer langes Teilstück von Clemenshafen bis kurz vor die Steinfurter Aa zwischen Wettringen und Neuenkirchen gebaut. Der neue Endpunkt wurde zu Ehren des Fürstbischofs Maximilian Maxhafen genannt.

In Maxhafen wurden 1771 ein Kran sowie ein Pack- und Verwalterhaus und eine Gastwirtschaft errichtet. Im Jahr 1818 verlegte das preußische Grenzsteueramt die Kontrolle aller Gütertransporte von Holland und Hannover nach Maxhafen und errichtete dort ein zweistöckiges Zollhaus. Maxhafen entwickelte sich für kurze Zeit zu einem Verkehrsknotenpunkt.

Maxhafen mit Kanalschiff, Kran, Pack- und Verwalterhaus sowie Gastwirtschaft im Jahr 1839, Quelle: Gemeindearchiv Wettringen
Zollhaus in Maxhafen von 1818, 1974 abgerissen, Quelle: Gemeindearchiv Wettringen

Die Pferdefuhrwerke transportierten Kohle von Ibbenbüren und schwedisches Roheisen, das über die Ems kam, zum Kanal nach Maxhafen. Große Mengen Getreide wurden von Maxhafen aus nach Münster geliefert, ebenso Baumwollwaren und Leinen für das aufstrebende Ruhrgebiet.

Für etliche Wettringer Bauern war der Landfrachtverkehr am Max-Clemens-Kanal ein guter Nebenerwerb. Bauer Romberg-Dunker aus Haddorf betrieb sogar eine kleine Spedition.

Im ehemaligen Maxhafen hat der Heimatverein Wettringen einen Rastplatz mit einer Wanderkarte erstellt. Der Rastplatz liegt in einer Steinformation, die einer früheren Lastschute nachgebildet ist. Foto: Engelbert Rauen, Heimatverein Wettringen

Nach der Einstellung des Kanals im Jahre 1840 wurde das ehemalige Packhaus zu einem Wohn- und Wirtshaus umgebaut. Seit 1869 ist es im Besitz der Familie Fabry. In dem früheren Zollhaus war noch lange Zeit eine Lohngerberei untergebracht. Später ging ein Teil des Gebäudekomplexes in den Besitz der Familie Niehues über, die dort eine Kornbrennerei einrichtete. 1974 wurde das Gebäude abgerissen.

Am Kanalende feiert der Schützenverein Maxhafen alljährlich im ehemaligen Kanalbett sein Schützenfest. Übrigens – der Plan, den Kanal bis zur Mündung des Düsterbaches in die Aa weiterzuleiten, ist nach 1800 zeitweise noch verfolgt worden. Noch heute kann man ehemalige Grabungen bis kurz vor der Aa erkennen.